Der Niemandsfranz - Städte und Dörfer(Ko)

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Der Niemandsfranz

Sonnenberg
"Dr Niemandfronz
vu Sunnebarch"

Auszugsweise aus einem Bericht der Erzgebirgszeitung 7+8/ 1933
von Jul. Strohschneider, Oberlehrer i.R. Obergeorgenthal
Zusammengestellt von Helmut Mürling

Sie haben sicherlich schon mal vom Niemandfranz gehört.   Aus der Bergstadt Sonnenberg stammte ein Mann, der sich sein Lebtag nur als "NIEMAND" bezeichnete. Franz dürfte er geheißen haben, aber von seinem Nachnamen ist nichts aufgeschrieben, was wohl sein Streben nach Bedeutungslosigkeit bestätigt haben dürfte.
Der Niemandfranz wird als kleines Männlein, mit knöchernen, von der Gicht gekrümmten Fingern und schwieligen, im Winter mit Hadern umwickelten Füßen beschrieben. Von seinen Zeitgenossen wurde er als Philosoph bezeichnet. Seines Standes nach aber war er ein Bettelmann, Vollwaise, der von Dorf zu Dorf zog.
Er hatte nur bestimmte Häuser, in denen er neben Essen auch eine Schlafgelegenheit am Dachboden oder im Stall fand.

Oberlehrer Strohschneider erzählt vom Niemandfranz:

Franz steckte den Kopf zur Tür herein und bat demütig um ein Almosen. Wir Kinder rannten zur Mutter und baten sie: "Mutter, loß ner den Franz a bissl reikumma un gah ne wos zu assen, ar ko jo in Stoll schlofn." Unsere gute Mutter konnte nicht nein sagen. "Meintswang, mog ar sich af de Ufnbonk setzn. A bissl Ardeppelsupp un e weng Rauchnmood werd scho übrich bleib`n." Scheuen, aber dankbaren Blickes rutschte Franz auf seinem ihm längst bekannten Platz auf der Ofenbank. Sein Hab und Gut hatte er in einem Tuch eingebunden und er trug es mit durchgestecktem Stock auf dem Rücken. Seine Mütze legte er niemals ab, denn er schämte sich ob seiner Glatze. Franz bedankte sich mit dem Spruch: " Es gitt nuch gute Leit uf dr Walt. Bezohls eich Gott tausndmol."
Vater wußte, daß er uns Kindern eine große Freude bereiten konnte, wenn er den Franz zum Erzählen ermunterte. Er sagte:  "Nu wie giehts denn immer nuch, Fronz ?"
Und Franz erzählte, wohl zum tausendsten Male, seine Lebensgeschichte:

"Schlacht, ihr liebe Leit, schlacht. Iech bi holt der liebe Niemand, dr liebe Niemand. Iech ho mei Labtoch ner Nut gesah of dieser Walt un galt gor nischt af dare Walt. Worum? Weil iech nischt gelernt ho. Do ho iech ober net schuld dro. Iech ho mein Votter nie kennt, der wor schie tut.  Iech wor e Boß vun vier Gohr, mei Schwester wor ocht, do hot emol de Nochbarin in unner Luuch, Zimmer wors kaans, neigrufen: " Kinner, eiere Mutter ist bei Schmiedebarch erfrurn und se hom se geleich eigschorrt." Wos dos fir en Schloch fir uns Kinner wor, kennt ihr eich gor net denkn. Su sammer holt vun Haus zu Haus gonge un hom gebattelt. Ower in Sunnebarch worn  holt ah ner orma Leit. Die hom salber nischt. Su hom mer holt auswärts unner Vaterunser gebatt. Wu meine Schwaster is, waas iech net, wohrscheinlich tut. Iech wor des gonze Labn draußn in dare Walt un su bi iech heit do. Wos is de der Mensch, dr liebe Niemand, dr liebe Niemand."
"Der liebe Niemand" war wohl des Niemandfranz´ Hauptspruch, was ihm seinen Namen eingebracht hat. Noch heute heißt es im Volksmunde, daß ein Mensch, der sich keine Geltung verschaffen kann, der "Niemand" sei. Auch meine Großmutter Hermine hatte diesen Spruch oftmals auf den Lippen. Der Niemandfranz ist ein erzgebirgisches Original, das typisch für die Bescheidenheit der Bewohner dieses Landstriches ist.
 
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